Kunstdrucke vs. Offsetdruck

Kategorie: Druckerei | 3 Kommentare »

Letztens besuchte mich ein Kunde, welcher sich vor kurzer Zeit ein neues Kunstdruck-Motiv eines namhaften Künstlers erwarb, welches angeblich im Lithodruck erzeugt wurde. Er bat mich, den erworbenen Kunstdruck genauer unter die Lupe zu nehmen und um meinen fachspezifischen Rat, da er vorhabe, sich weitere Kunstdrucke als Investitionsanlage zu sichern. Ein kurzer Blick auf den erstandenen Druck genügte, um meinen lieben Kunden von seinem Vorhaben vorerst einmal abzuraten.

Leider kein Lithodruck
Der erstandene Druck war leider weder ein Kunstdruck, noch wurde dieser im Lithodruck erstellt, sondern ist ein normaler Offsetdruck auf einem hochglänzenden Offsetpapier gedruckt, dessen Wert ich auf maximal 40,- Euro schätze.

Als Investitionsanlage vollkommen ungeeignet.

Es ist leider traurige Realität, dass mit dem Wort Kunstdruck ungeniert gehandhabt wird. Für uns verdient ein Druck noch lange nicht den Begriff Kunstdruck, nur weil als Motiv ein Gemälde eines Künstlers verwendet wurde.

Unserer Auffassung nach sollte ein Kunstdruck, speziell Kunstdrucke, welche als Investitionsanlage gedacht sind, folgende Kriterien enthalten.

  • Rasterloser Druck
  • hochwertiges Papier
  • nummerierte Auflage
  • von Künstler signiert (falls dieser noch lebt)

Wenn man im Internet zum Thema Kunstdruck googelt, so findet man recht wenig brauchbare Seiten. Die meisten sind irgendwelche Poster-Shops, welche Drucke von Künstlern als Kunstdrucke verkaufen. Die Preise für diese Drucke bewegen sich zwischen 10,- und 30,- Euro.

Was die meisten von diesen Angeboten gemeinsam haben, ist, dass diese im herkömmlichen vierfärbigen Skala Offsetdruck mit einem 60er bis 80er Raster und in einer sehr hohen Auflage gedruckt wurden.

Sicherlich, nett anzusehen, aber eben kein Kunstdruck, und schon gar nicht als Wertanlage gedacht.

Kunstdrucke – eine Wissenschaft für sich
Wirkliche Kunstdrucke setzen oftmals voraus, dass diese mit zusätzlichen Sonderfarben neben den üblichen CMYK-Farben gedruckt werden, um einen möglichst faksimilen Charakter zum Original zu erhalten. Dafür ist neben einer besonderen Verarbeitung der Daten auch ein spezielles Druckverfahren notwendig, um den im klassischen Offsetdruck gefürchteten Moire-Effekt zu vermeiden und um die Klarheit, Farbbrillanz und die Detailzeichnung des Originals zu erreichen.

Bei diesem Druckverfahren hat der Künstler auch die Möglichkeit individuell in den Arbeitsprozess einzugreifen, um so aus den Reproduktionen wieder einzigartige Originale zu machen. Dadurch hat der Künstler die Möglichkeit, aus diesen limitierten Drucken wirkliche Wertanlagen zu schaffen. Sowohl für den Künstler selbst, als auch für den Käufer.

Auf den ersten Blick mag die Erstellung von echten Kunstdrucken relativ teuer wirken, andererseits schafft man durch die limitierte Auflage und durch die hohe Qualität der Drucke bleibende oder sogar steigende Werte.

Da der Markt für Kunstdrucke relativ klein ist, gibt es nur einige wenige Spezialisten weltweit, welche sich aktiv mit dem richtigen Kunstdruck auseinandersetzen. Deswegen möchte ich im Zuge dessen auf unsere Kunstdruck und faksimile Reproduktionen Webseite verweisen.

3 Antworten zu “Kunstdrucke vs. Offsetdruck”

  1. Mastblau Kunstdrucke als Wertanlage

    [...] Damit Drucke mit der Zeit überhaupt an Wert gewinnen müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Nicht jeder Druck, welcher als Kunstdruck angepriesen wird, verdient diese Bezeichnung (dazu möchte ich noch auf einen alteren Artikel verweisen, welcher sich mit diesem Thema beschaftigt: Kunstdrucke vs. Offsetdruck). [...]

  2. Fredi Ochsner

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Habe nun Ihre Seiten hier schon ein paar Mal aufmerksam durchgelesen.

    Wenn ich nun also von einer meiner Zeichnungen einmal wirklich echte Kunstdrucke anfertigen lassen möchte, was kostet mich dies ungefahr?

    Nach Ihren Erklarungen oben wird es sich bei einem Preis von 6.12 Euro für 40x30cm bei anderen Anbietern von Kunstdrucken wohl kaum um einen echten Kunstdruck handeln oder? Auch nicht bei einem Preis von 35.36 Euro?
    Habe schon diverse Druckfirmen angeschrieben und keine Antwort erhalten, wohl weil diese sogenannte billige Kunstdrucke die gar keine sind herstellen?
    Ware wirklich mal interessant nur annaherungsweise eine Zahl zu erfahren.
    Originalgemalde: Buntstift teilweise in Wasser verwischt, Tusche und Bleistift auf Zeichenpapier Winsor&Newton DIN A3 220gr/m2 mittelglatt – für eine Auflage von 70 Stk

    Für Ihre Bemühungen danke ich Ihnen im Voraus bestens.

    Mit freundlichen Grüssen

    Fredi Ochsner

  3. Administrator

    Da haben Sie mit ihrer Vermutung recht, dass es sich hier bei ihren angeführten Angeboten kaum um einen echten Kunstdruck handeln wird.

    Die Preise für echte Kunstdrucke sind doch um ein Eckhaus teurer als normale Farb-Kopien und variieren zu Teil sehr stark, je nachdem welche Farben verwendet wurden und welches Papier gewünscht wird.

    Gerade beim Kunstdruck auf saugenden Papieren, welches dem Druck einen exquisiten Charakter verleiht, ist allein die Datenaufbereitung eine Wissenschaft für sich, da hier das vielgepriesene Colormanagement rasch an seine Grenzen stösst.

    Die Daten müssen extra manuell aufbereitet, diverse Schmuckfarben selektiert (zB: zweite Schwarze, Farben ausserhalb des CMYK-Farbraumes, speziell lasierende Farbtöne, etc.) und die Gegebenheiten des Papieres (zB: Tonwertzuwachs, etc.) berücksichtigt werden.

    Ich selbst empfehle für derartige Kunstdrucke eine Auflage von 150-600 Stück, damit sich die Druckkosten amortisieren. Geringere Auflagen bringen kaum nennenswerte Ersparnisse, da die Erstellung der Druckplatten den grössten Teil der Kosten ausmachen und nicht der Druck selbst.

    Kosten würde ich mit ab 1500,- Euro für die Datenaufbereitung und Druck beziffern, hangt jedoch wie gesagt vom Motiv und Farbigkeit ab.

    Bei geringen Auflagen und nicht allzu sensiblen Vorlagen kann ich mir Drucke von Tintenstrahldruckern (zB: Plottern) auf einem Spezial Kunstdruckpapier vorstellen, welche ebenfalls eine passable Qualitat erreichen und nicht zu sehr die Geldbörse belasten.

    Allerdings sollte man sich vorher erkundigen, ob der Drucker Erfahrung mit dieser Art von Drucken hat, da man auch hier nicht mit der 08/15 Einstellung produzieren kann.

    Falls Sie noch fragen haben stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mastblau

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