Wo Colormanagement nicht ausreicht

Kategorie: Druckvorstufe | 2 Kommentare »

Das Thema Farbmanagement bzw. Colormanagement ist heutzutage in der Werbe- und Druckbranche allgegenwärtig. Wer sich nicht mit Farbmanagement auseinandersetzt, kann eigentlich kaum farbspezifische Aussagen treffen. Die Theorie ist recht simple. Vereinfacht ausgedrückt können mit Hilfe von Colormanagment ein und dieselben Bilddaten für mehrere unterschiedliche Druckverfahren verwendet werden, ohne dass zusätzlich diese manuell angepasst werden müssen. Ist zwar im grossen und ganzen korrekt, die Werbebranche wäre aber sehr gut beraten, es nicht nur bei Farbmanagement zu belassen. Der Qualität zuliebe.

Was bewirkt Colormanagament

Das Farbmanagement (ohne jetzt allzu sehr ins Detail zu gehen) mittels ICC-Profilen erfasst u.a. das Farbwiedergabeverhalten eines Druckverfahrens. Sprich in den einzelnen ICC-Profilen sind die jeweils spezifischen Parameter wie die Eigenfarbe des Papiers, Druckpunktzuwachs, Druckfarbe, etc. berücksichtigt, sodass man auch bei unterschiedlichen Druckverfahren und verschiedenen Papieren ein möglichst homogenes und faksimiles Druckprodukt erhält.

Das heisst vereinfacht ausgedrückt dass man relativ leicht und rasch, z.B: Daten für den Offsetdruck in Daten für den Zeitungsdruck umwandeln kann. Es ist dabei nicht einmal unbedingt notwendig RGB-Bilddaten vorher in Photoshop in CMYK-Daten umzuwandeln. Die Theorie besagt, dass selbst ein Laie, ohne dem nötigen Wissen, korrekte Druckdaten liefern kann.

Wie so oft verhält es sich in der Praxis anders.
Nur die wenigsten haben einen Überblick über das Thema Farbmanagement und können diese auch korrekt anwenden. Der Großteil ist schlicht überfordert, obwohl Colormanagement bereits seit mehr als 15 Jahren am Markt ist. Wer sich allerdings ein wenig mit diesem Thema auseinandergesetzt und die Grundlagen kapiert hat, kann recht schnell für die unterschiedlichsten Druckverfahren korrekte Daten liefern.

Doch Stop!
Warum sollte man, wie eingangs erwähnt, gerade in der Werbebranche, sich nicht nur auf Farbmanagement beschränken, wenn doch mit Hilfe von ICC-Profilen perfekte Ergebnisse für jedes Druckverfahren erzielt werden können?

Mehr als nur Farbmanagement

Wie bereits oben kurz erwähnt, können die ICC-Profile nur einige Parameter wie Papierweiß, Druckpunktzuwachs, etc. berücksichtigen. Während dies für redaktionelle Bilder vollkommen ausreicht, sollten Werbeinserate zusätzlich noch hervorstechen, quasi als Eyecatcher fungieren. Dies ist mit einer reinen Konvertierung mittels ICC-Profilen fast unmöglich.

Beispiel Automobilwerbung
Hier wird oft mit knalligen, farbenfrohen Hintergründen, unter Verwendung von Licht- Schattenspiel gearbeitet. In Hochglanzmagazinen erfüllen diese ihre Aufgabe, kommen doch diese Anzeigen homogen und symbolhaft herüber. Ein wahrer Eyecatcher, der die Blicke auf sich zieht.

Doch wehe man wandelt diese Anzeige nur per ICC-Profilen für den Zeitungsdruck um. Die Ergebnisse sind oftmals ein Katastrophe und der Einschaltkosten nicht wert.

Gerade beim Zeitungsdruck hat man einen geringeren Tonwertumfang und einen gröberen Raster als z.B: beim Offsetdruck. Noch dazu wird in der Regel auf einem billigen, saugenden Papier und im Rollenoffsetdruckverfahren in extrem hoher Geschwindigkeit gedruckt. Alles Faktoren, welche die Qualität des Druckes mindern. Durch die Konvertierung mittels Profilen, welche diese Faktoren berücksichtigen, bekommt man recht passable Bilder. Aber wie bereits schon gesagt, keine qualitativ hochwertige.

Um auch für den Zeitungsdruck hochwertige Inserate zu produzieren müssen diese noch zusätzlich händisch bearbeitet werden. In unserem Fall zusätzlich eine bewusste Reduzierung der Tonwerte, stärkere Kontraste, mehr Schärfe und eine Verstärkung der Konturen.

Nicht nur bei unserem Beispiel reicht Colormanagement alleine nicht aus. Eine Vielzahl an Druckverfahren mit speziellen Motiven oder Papieren, wie zum Beispiel beim Kunstdruck verlangen einen manuellen Eingriff in die Druckdaten, um aussergewöhnliche Druckprodukte zu produzieren. Dazu folgt mehr in den nächsten Tagen.

Fazit

Trotz aller Erleichterungen, welche das digitale Zeitalter mit sich bringt, trotz der hervorragenden Software und deren zum Teil monströsen Umfang – wer hochwertige Druckprodukte für verschiedenen Printmedien produzieren will, dem bleibt eine manuelle Bearbeitung im jeweiligen Bildbearbeitungsprogramm nicht erspart. Auch wenn es viele Grafiker und Agenturen nicht wahrhaben wollen. Dafür sind Experten mit graphischen Verständnis und einer Menge an Know-How gefragt. Die 1-Klick Variante gibt es Gott sei Dank (noch) nicht.

Unserer Meinung rechtfertigt die hervorstechende Qualität den geringen Mehraufwand. Es wird wieder Zeit für anspruchsvolle Kunden, welche sich nicht mit 08/15 Inseraten, egal welchem Medium, abspeisen lassen.

2 Antworten zu “Wo Colormanagement nicht ausreicht”

  1. Boris

    Unserer Erfahrung nach wird das Thema Colormanagement erheblich überschatzt und führt dazu, daß sich nun jeder auf die Software verlasst, ohne eigene Erfahrung mit dem Thema Farbe zu besitzen.

  2. Konrad

    Überschatzen kann man das thema Farbmanagement in diesen Tagen nun wirklich nicht. Wer mit aktueller Software arbeitet (Adobe CS3) hat eigentlich keine Möglichkeit das CMM wirklich auszuschalten.

    Darum ist es sehr wichtig, sich mit diesem thema ausführlich auseinanderzusetzen.

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