Wie betrachte ich PDFs

Kategorie: Druckvorstufe, PDF, Werbeagentur | 3 Kommentare »

Adobe hat mit der Entwicklung des plattformunabhängigen PDF-Formates (Portable Document Format) das Leben einer ganzen Industrie vereinfacht. Nie zuvor war es einfacher, Daten aus beliebigen Anwendungen, den unterschiedlichsten Usern nutzbar zu machen. Auch in der Druckindustrie brachte das PDF eine erhebliche Zeitersparnis und Kostenreduzierung mit sich. Doch leider bringt das PDF nicht nur Vorteile mit sich.

Über die Vorteile des PDFs muss nicht viel geschrieben werden. Jeder, welcher sich bereits mit diesem Austauschformat beschäftigt hat, kann dessen Vorteile sofort ersehen. Geringe Datengrösse – sämtliche Bilder, Texte, Formatierungen eingebunden – einfache Handhabung.

Nachteil: Kunde sieht mehr als notwendig

In der Werbeindustrie sieht es in der Praxis folgendermassen aus:
Nach Genehmigung einer Werbekampagne kommen die Layoutdaten zur Druckvorstufe, wo mit einem Layoutprogramm (Xpress, Indesign) das Inserat mit den entsprechenden Feindaten gefertigt wird. Anschliessend wird ein Grobdaten-PDF (auch Ansichtspdf genannt) erstellt, welches zum Kunden zwecks Kontrolle und Freigabe gesendet wird.

Nicht selten kommt es vor, dass der Kunde das PDF punkto Qualität bemängelt.

Typische Aussagen sind unter anderem:

  • das Bild sieht pixelig aus
  • das Bild sieht unscharf aus
  • die Farben kommen anders
  • die Farben stimmen nicht
  • da sind Kanten im Bild
  • etc

Im Prinzip stellen diese Aussagen keinerlei Fehler des PDFs dar, sondern liegen eher am fehlenden Wissens seitens des Kundens. Was allerdings verständlich ist, da dieser üblicherweise weder ein Drucker noch ein Grafiker ist und deshalb das Know-How rund um PDF und Druck nicht besitzen muss.

In solchen Fällen ist das Wissen des jeweiligen Kundenkontakters gefragt, welcher den Kunden über die angeblichen Fehler aufklärt. Leider sind manche dieser Kundenkontakter eher Theoretiker als Praktiker, welche dem Kunden daher nicht zufriedenstellend den Unterschied zwischen fertigen Druck und PDF erklären können, und somit sowohl dem Kunden, als auch dem eigenen Unternehmen viel Zeit und im schlimmsten Fall auch viel Geld kosten können.

Leitfaden zur Einwandbehandlung

Die folgende Checkliste sollte für viele Bereich hilfreich sein. Dabei wird vorausgesetzt, dass das PDF in Ordnung ist und keine Fehler enthalten sind.

Bilder zu pixelig, unscharf
Wurde ein Grobdaten-PDf versendet, welches in der Regel auf 72 dpi heruntergerechnet wurde, kann auf Wunsch ein höher aufgelöstes PDF nachgesendet werden, um sich über die Qualität des Bildes sicher zu sein.

Es ist auch wichtig zu wissen, für welches Medium die Anzeige verwendet wird. Je nach Medium werden unterschiedliche Auflösungen erwartet. Während ein Magazin meist mit einem 60er Raster gedruckt wird, wird für Zeitungen nur ein 34-58er Raster verwendet. Plakate hingegen benötigen sogar noch eine gröbere Auflösung.

Auch der Betrachtungsabstand sollte in die Beurteilung miteinbezogen werden. Plakate sieht man sich in der Regel aus mehreren Metern Entferung an, Zeitungen aus 30 – 50 cm.

Durch diese Vorgaben ergeben sich die notwendige Auflösung und Qualität der Anzeigen. Es macht wenig Sinn, ein Bild, welches nur für eine Plakatserie gedacht ist, so perfekt zu retuschieren, dass dieses für Hochglanzmagazine verwendet werden kann. Das würde sich nur auf die Kosten auswirken, nicht aber auf die Qualität des Druckes.

Farben kommen anders
Die meisten Kunden verwenden keine kalibrierten Monitore, können deshalb auch nicht wirklich bestimmen, ob die Farben im Druck korrekt kommen. Abhilfe schafft hier ein farbverbindliches Proof.

Auch im digitalen Zeitalter sollte man gerade bei neuen Kampagnen jeweils immer ein farbverbindliches Proof beilegen. Viele Unternehmen verzichten zum Teil aus Kostengründen darauf, doch bin ich hier der Meinung, dass hier am falschen Platz gespart wird.

Im Bild sind Kanten zu sehen
Der Vorteil von PDFs kann manchmal schnell zum Nachteil werden, wenn der Kunde Zoom-Funktion verwendet. Das PDF lässt sich ohne Probleme um einige tausend Prozent vergrössern, und deckt so schonungslos sämtliche “Schlampigkeitsfehler” auf, welche bei Retuschen passieren können.

Auch hier ist es wichtig das jeweilige Medium zu kennen, welche Auflösung benötigt wird, und wie gross die Anzeige tatsächlich kommt. Oftmals sind diese “Fehler” bei 1:1 Betrachtung und durch den verwendeteten Raster beim besten Willen nicht mehr zu erkennen.

Keine Frage, sauber arbeiten ist das A und O eines Lithographens, aber viele Fehler sieht man nur bei teils absurden Vergrösserugen im PDF.

Fazit

Viele Probleme bzw. Beschwerden des Kundens lassen sich umgehend beseitigen, wenn der jeweilige Kundenberater das entsprechende Know-How besitzt und dem Kunden den Unterschied zwischen Druck und PDF glaubhaft erklären kann. Dabei ist es wichtig, dass der Kundenberater sattelfest ist und das entsprechende Know-How besitzt und nicht nur irgendetwas gehörtes nachplappert.

Der Kunde spürt sehr schnell, ob sich sein Gegenüber sicher ist und eine Ahnung von der Materie hat, oder ob dieser nicht doch leichte Zweifel hegt. Nur ein zufriedengestellter und aufgeklärter Kunde erlaubt das perfekte Zusammenspiel zwischen dem Werbenden und dem Kreativen.

3 Antworten zu “Wie betrachte ich PDFs”

  1. Peter

    Deshalb würde ich auch keine AnsichtsPDFs mit 72 ppi an Kunden senden, sondern 100 bis 150 ppi verwenden. Die Dateien sind dann immer noch klein genug, aber weder am Monitor noch beim Ausdruck auf Laser / Tinte ist die niedrigere Qualitat sichtbar, zumindest nicht auf dem ersten Blick.

  2. Peter

    Ich finde folgende Probleme ebenfalls wichtig:

    1. Haufig werden die AnsichtsPDFs mangels genauer Kenntnis der Distilleroptionen mit der Option “Kleinste Datei” erstellt. Dabei werden die Schriften nicht eingebettet – der Kunde sieht die Schriften also mit Hilfe der internen Schriftersetzung von Acrobat. Man muss sich also auf jeden Fall selbst geeignete Distilleroptionen für die AnsichtsPDFs erstellen.

    2. Überdrucken – Problem 1: Reduzierte Transparenzen aus Adobe Programmen enthalten weisse Flachen oder Bilder mit weissen Randern, die auf Überdrucken stehen. Dieses Überdrucken muss erhalten bleiben und bei der Betrachtung am Monitor muss deshalb die Überdrucken-Vorschau eingeschaltet werden. Leider ist das im Acrobat Reader erst in der Version 7 möglich und auch hier nur global über die Grundeinstellung.

    3. Überdrucken – Problem 2: Der Kunde hat überdruckende Objekte eingebaut, die aber eigentlich aussparen sollten (geschieht z. B. in QuarkXpress systematisch, wenn schwarze Texte kopiert und anschließend eingefarbt werden. Das Ergebnis ist eine überdruckende CMYK-Farbe). Die Druckerei kann das nicht beurteilen, nur der Kunde kann wissen, wie es wirklich gemeint war. Aber der Kunde betrachtet das PDF ohne Überdruckenvorschau, er sieht also das, was er erwartet und nicht das, was tatsachlich aus dem RIP kommt … Wenn zudem sein Laserdrucker nicht 100% PostScript Level 3 kompatibel ist, so simuliert dieser das Überdrucken ebenfalls fehlerhaft …

    Eine Möglichkeit ist, das AnsichtsPDF kontrolliert in RGB zu konvertieren (also mit angewandtem Farbmanagement und unter Berücksichtigung der korrekten Überdruckeneinstellungen). So sieht der Kunde die Farben optimal angepasst an seine üblichen RGB-Ausgabegerate und das Überdrucken wird korrekt simuliert, sowohl am Monitor wie auch durch die üblichen Laser oder Tintendrucker.

  3. Administrator

    Hallo Peter
    Die Fehler welche du aufzahlst rühren in der Regel vom falschen distillieren der Postscript-Datei und werden kaum von Kunden bemangelt.

    Üblicherweise hat der Kunde keine Ahnung von Über- und Unterfüllung, der Farbseperation, Überdrucken von Flachen etc. und wird diese daher kaum bemangeln.

    Das ist der Job der jeweiligen Lithoanstalt / Werbeagentur, dass die Druckerei korrekte PDF-Daten bekommt, welche allen drucktechnischen Anforderungen entsprechen.

    Übrigens würde ich NIE ein PDF, welches für den Druck bestimmt ist, in ein RGB konvertieren. Das hat hier absolut nichts verloren und bringt neben mehr Arbeit zusatzliche Fehlerquellen mit sich.

    Die aktuellen PDF-Programme bieten genügend Tools (Preflight, Separationsvorschau, Überdruckenvorschau, etc.) um die PDF Dateien auf korrekte Einstellungen zu überprüfen.

    Und sollte einmal der Kunde nicht genau Bescheid wissen, ob alles ok ist, so liegt es, wie bereits oben beschrieben, im Aufgabenbereich des jeweiligen Kundenkontakters, diesen fachgerecht aufzuklaren.

Mastblau

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